MEIN LEBEN UND ARBEITEN
Die Kindheit verbrachte ich in Tuttlingen/Donau. Nach dem Abitur (1959) studierte ich Theologie und Rechtswissenschaften in Tübingen und München. 1964 wurde ich in Stuttgart zum Priester geweiht, promovierte 1967 in Bonn zum Dr. theol., arbeitete dann am Vatikan und habilitierte mich in Bonn.
1970 wurde ich als jüngster deutscher Hochschullehrer zum ord. Professor für katholisches Kirchenrecht an die Westfälische Wilhelms-Universität in Münster berufen. 1974/1975 war ich Prodekan und Dekan des Fachbereichs Katholische Theologie.
Nach schweren Auseinandersetzungen um meine Forschung und Lehre und nach meiner Weigerung, meine Thesen zu widerrufen und künftig keine ähnlichen zu vertreten, wurde mir 1975 die kirchliche Lehrbefugnis entzogen. Dies war der erste Fall dieser Art in der Bundesrepublik Deutschland. Nach jahrelangen weiteren Streitigkeiten (erstes und einziges so genanntes Lehrbeanstandungsverfahren der Deutschen Bischofskonferenz) und der kirchenoffiziellen Verurteilung (auch durch die vatikanische Glaubenskongregation) trat ich 1981 aus der Kirche aus, wechselte in den Fachbereich Sozialwissenschaften und war in Münster bis zu meiner Emeritierung 2005 Inhaber eines Lehrstuhls für Soziologie.
In Münster etablierte ich 1982 die so genannte Frauenforschung und forschte in den von mir erstmals entwickelten Richtungen wie der feministisch-infantistischen Väterforschung sowie der Soziologie der Partnerschaft und Soziologie der Foltermentalitäten und -methoden. Ich habe an die 1.000 Vorträge im In- und Ausland gehalten und arbeite seit Jahrzehnten als der am häufigsten zu Religionsthemen eingeladene deutsche Hochschullehrer in allen wichtigen Medien mit (SPIEGEL, STERN, FOCUS, Talkshows, Podiumsdiskussionen).
Seit 1977 bin ich auf Empfehlung von Heinrich Böll Mitglied des P.E.N. Außerdem war ich Herausgeber der im Goldmann Verlag erschienenen Bibliothek des Querdenkens. Unter dem Pseudonym Peter Simon veröffentlichte ich zwei Kriminalromane aus dem Vatikan. Von mir liegen an die 60 Bücher (in mehrere Sprachen übersetzt) und etwa 200 Beiträge zu religions- und patriarchatskritischen Themen vor. Besonderes Interesse finden meine Biographien (Nero, Girolamo Savonarola, Thomas Müntzer, Martin Luther, Johannes Paul II.); meine Luther-Biographie wird seit 25 Jahren in Deutschland am meisten verkauft. Mit Karlheinz Deschner, mit dem ich seit Jahrzehnten eng befreundet bin, veröffentlichte ich Der Antikatechismus. 200 Gründe gegen die Kirchen und für die Welt (1991).
Biographische und schriftstellerische Meilensteine waren Ein unmoralisches Verhältnis. Bemerkungen eines Betroffenen zur Lage von Staat und Kirche in der Bundesrepublik Deutschland (1974), eine Pionierarbeit, die zum Entzug der Lehrerlaubnis führte, Die Kirche und unser Geld (1990), eine Publikation, die in und außerhalb der Großkirchen lebhafteste Diskussionen auslöste, Vaterliebe. Ich will ja nur dein Bestes (1990), eine in dieser Form sonst nicht anzutreffende Abrechnung mit patriarchalen Strukturen und Mentalitäten.
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MEINE WÖCHENTLICHE KOLUMNE
ZEIT-Online berichtet soeben: Einen Himmelskörper wie eben jenen, der den Zwergstern GJ 667C umkreist, nennen Astronomen umgangssprachlich Super-Erde. Seine Masse entspricht 4,5-mal der Masse der Erde. Das allein macht ihn nicht unbedingt hochinteressant für Wissenschaftler. Wohl aber die Tatsache, dass der Planet ohne Namen in einer Entfernung Runden um seinen Stern zieht, die flüssiges Wasser auf ihm ermöglicht.
„Natürlich kann man nicht sagen, ob es dort Leben gibt. Aber im Moment ist er unser bester Kandidat dafür“, sagt Guillem Anglada-Escudé von der Carnegie-Institution in Washington, der inzwischen an der Universität Göttingen arbeitet. Nach den Berechnungen seiner Entdecker könnte es auf dem Himmelskörper nämlich zwischen null und hundert Grad Celsius warm sein.
Es gibt wohl noch viel mehr Planeten als bisher gedacht, die potenziell Raum für Leben bieten. Denn M-Klasse-Zwerge wie GJ 667C gehören zu den häufigsten Sternen in der Milchstraße. „Die Entdeckung dieses Planeten, so nah und so früh, legt nahe, dass es in unserer Galaxie nur so wimmelt von Milliarden potenziell bewohnbaren Gesteinsplaneten.“
Und wir – oder unser Sonnensystem – scheinen weniger einzigartig zu sein, als lange Zeit angenommen wurde. Anglada-Escudé: „Wenn man die Erde anschaut, sieht man, dass es unter extremen Bedingungen Leben gibt. Es sieht so aus, als würde dort, wo es möglich ist, auch Leben entstehen.“
Mein Kommentar: Es war zu erwarten. Und wenn es diesmal nicht zutrifft, dann ein anderes Mal. Für mich besteht die höchste Wahrscheinlichkeit, dass Leben in unserem Sinn auch außerhalb des Planeten existiert, den wir „Erde“ heißen.
Das habe ich schon immer angenommen. Es sind jetzt 50 Jahre her, dass ich ausführlich darüber diskutieren wollte. Die Reaktion der Mitstudenten der Theologie auf meinen Vorschlag, einmal dezidiert über „extraterrestrische Religionen“ nachzudenken, war eindeutig: Sie zeigten mir den Vogel.
Die offizielle Theologie schweigt nach wie vor zum Problem außerirdischer Religionen. Fragen gäbe es genug. Sie wiesen weit in die Zukunft hinein. Sie hätten auch Auswirkungen auf den Glauben der vatikanischen Konfession: Gibt es auf einem fernen Planeten einen Gott und welchen? Rückt der Gott auf dem Planeten Erde nicht zu einer regionalen Gottheit herab, wenn es weitere „Erden“ gibt? Und wenn „unser Gott“ demgegenüber das gesamte Universum beherrscht, mußte er auch einen „Jesus von Nazareth“ schicken und kreuzigen lassen – oder gab es andere Möglichkeiten? Könnten wir Irdischen hinzu lernen, wie „Religion“ organisiert wird?
Solche Themen finden heutige Theologen nicht einmal erwähnenswert. Für „Spekulationen“ (Ist das Gewölk ihrer Dogmen nicht Spekulation? Ist der Vatikan etwa nicht auf den Treibsand einer riesigen Spekulation gebaut?) nehmen sie sich keine Zeit. Sie haben alle Hände voll zu tun, Sekundärprobleme wie den Zölibat zum tausendsten Mal zu behandeln.
Horst Herrmann
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